Die Biomechanik des A2 Pulley
und die Effektivität dessen Taping in Bezug auf das Sportklettern

von
Andreas Schweizer
Anatomisches Institut der Universität Bern

 
 
 

 
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S



1. Einführung
 

2. Material und Methode

2.1. Material

2.1.1. Anforderungen an die Messgeräte
2.1.2. Das Distanzmessgerät
2.1.3. Das Kraftmessgerät
2.1.4. Weiteres verwendetes Material
2.1.5. Teilnehmer an den Messungen
2.2. Methode
1a. Abhebung der FDP und FDS Sehnen an sieben Messorten entlang derBeugesehnenscheide
1b. Abhebung der FDS Sehne an sechs Messorten entlang der Beugesehnenscheide
1c. Abhebung der FDP Sehne an sechs Messorten entlang der Beugesehnenscheide

2. Distanz der Abhebung der Flexorsehnen von 30 Fingern an drei Messorten

3a. Distanz der Abhebung der Flexorsehnen über dem distalen Rand des A2 Pulleys, in kaltem Zustand

3b. Distanz der Abhebung der Flexorsehnen über dem distalen Rand des A2 Pulleys, in aufgewärmtem Zustand

4. Distanz der Sehnenabhebung beziehungsweise Bowstringing im Bereich desDEA2 (distal edge A2) Pulleys im Verlauf eines Kletteraufwärmtrainings

5. Messung der auf das DEA2 Pulley wirkende Kraft der Flexorsehenen bei Flexion gegen Widerstand

6a. Kraftaufnahme des Pulleytaping über dem DEA2 Pulley

6b. Kraftaufnahme des Pulleytaping über dem distalen Ende der proximalen Phalanx

6c. Distanz der Sehnenabhebung mit und ohne Tape über den beiden in 6a und 6b beschriebenen Stellen
 
 

3. Resultate 
 

1a. FDS und FDP

1b.FDS

1c.FDP

2. Sehnenabhebung an 3 Orten von 30 Finger

3a. Sehnenabhebung kalt

3b. Sehnenabhebung warm

4. Veränderung der Sehnenabhebung beim Aufwärmen

5. A2 Pulley Belastung

6a. - 6c. Kraftaufnahme und Sehnenabhebung beim getapten Finger


 
 

4. Diskussion und systematische Abhandlung
 

4.1. Anatomie und Biomechanik der Langfinger der Hand

4.1.1. Makroanatomie

4.1.2. Histologische Aspekte der Beugesehnenscheide

4.1.3. Biomechanik der Langfinger

4.1.3.1. Modelle zur Bewegungsmechanik der Langfinger

4.1.3.2. Mechanik der Beugesehnenscheide

4.1.3.3 Dynamik des A2 und A4 Pulleys sowie der FDP Sehne

4.2. Funktionsweise der Finger im Klettern

4.2.1. Griffarten beim Klettern

4.2.2. Haltearten beim Klettern

4.2.3. Die aufgestellte und die hängende Fingerposition beim Klettern

4.2.3.1. Von den Prinzipien der Bewegungsmechanik zur Bedeutung der Pulleybelastung

4.2.4. Gründe für das Aufstellen der Finger beim Klettern

4.3. Verletzungen und Überbelastungen in Bezug auf das Klettern

4.3.1. Einteilung

4.3.2. Die sportkletterspezifischen Verletzungen und Überbelastungen

4.3.2.1. Sportkletterspezifische Verletzungen und Überbelastungen am Unterarm und der Hand

4.3.2.3. Überbelastungen und Verletzungen im Bereich der Finger

4.3.3. Die A2 Pulleyüberbelastung im Sportklettern

4.3.3.1. Häufigkeit und Vorkommen

4.3.3.2. Symptomatik

4.4. Therapie der A2 Pulleyüberbelastung

4.4.1. Das Taping des A2 Pulleys

4.4.2.Andere Möglichkeiten des Pulley Tapings

4.4.3. Weitere Vorschläge für die Therapie des überbelasteten A2 Pulley 

4.5. Prävention

4.5.1. Das Aufwärmtraining

4.5.2. Das präventive Taping


 

5. Zusammenfassung 


6. Literaturverzeichnis 


 
 
 
 
 
 
 
 
 

1. Einführung
 

Beim Sportkletterer treten relativ häufig spezifische Beschwerden im Bereich des A2 und A4 Pulley auf (S. R. Bollen 1990). Die Schmerzen sind, im Gegensatz zur partiellen oder totalen Ringbandruptur (Th. Hochholzer et al.1983), meist nicht auf ein einmaliges Trauma zurückzuführen. Sie scheinen eher durch chronische Überbelastung oder wiederholte Mikrotraumatisierungen bedingt zu sein. Klinisch kann lediglich eine Druckschmerzhaftigkeit über den knöchernen Insertionen der Ringbänder oder ein Kompressionsschmerz des ganzen Fingers über dem Ringband in sagittaler Richtung gefunden werden .Es ist unter den Kletterern sehr verbreitet diese Schmerzen durch ein fingerringartiges Taping über dem Ringband zu behandeln. Es wird dadurch erhofft das Ringband zu entlasten, um so besser weitertrainieren zu können. Die Frage nach der mechanischen Effektivität dieses Tapings gab den Anstoss zu dieser Arbeit. Es werden dazu die Biomechanik der Finger beim Klettern sowie das Taping untersucht.

Beim extremen Klettersport treten sehr hohe Belastungen im Bereiche der Finger auf (S. R. Bollen 1990). Es muss zum Teil an nur einigen Millimeter breiten Leisten oder Löchern für nur das distale Fingerglied ein Grossteil des Körpergewichtes gehalten werden. Der Hautkontakt mit dem Fels findet dabei häufig nur im distalen Bereich des letzten Fingergliedes statt. Die Struktur einer Grosszahl der vorkommenden Griffe beim Klettern erfordert dabei ein sogenanntes Aufstellen der Finger. Das bedeutet, dass sehr kleine Leisten mit ungefähr 90 Grad flektierten PIP Gelenken und hyperextendierten DIP Gelenken gehalten werden müssen (M. Burtscher et al.1987). Gerade aber diese Position der Gelenke übt die grösste Belastung auf die Pulleys aus (E. L. Hume et al. 1991). Bis zu 90 % der Kletter benützen vorwiegend diese Fingerposition beziehungsweise die aufgestellten Finger (S. R. Bollen 1988). Die relativ verbreitete Anwendung der aufgestellten Finger bei den Kletterern dürfte ein Grund sein, dass die meisten in diesem Sport sich mit der daraus folgenden Symptomatik auseinandersetzen müssen. Keine andere Sportart oder Tätigkeit ist soweit bekannt, bei der eine ähnliche Belastungskonfiguration der Finger auftritt. Weshalb nun die Position der aufgestellten Finger beim Klettern so präferiert angewandt wird oder sogar nötig ist, wird ebenfalls in dieser Arbeit noch erklärt. Dabei werden Grundlagen der Anatomie, Histologie und Biomechanik als auch die hier gefundenen Messwerte in Betracht gezogen.
Mehrere Untersuchungen über die genaue Anatomie des Sehnenscheidensystems der Langfingerbeugesehnen wurden durchgeführt. J. R. Doyle 1974, 1988 und B. Strauch et al. 1985 beschreiben das Pulleysystem und geben je eine Nomenklatur für die ring- und kreuzförmigen Pulleys beziehungsweise Ringbänder. S. Mester et al. 1995, G.-T. Lin 1989 und E. T. Walbeehm et al. 1995 beschreiben weitere Details der Beugesehnenscheide insbesondere auch des A2 Pulleys. G. Lundberg et al. 1977, E. T. Walbeehm et al. 1995 und einige andere untersuchten zum Teil mit konventionellem und zum Teil mit elektronischem Mikroskope die Ultrastruktur der Beugesehnenscheide. Im Bereich der Biomechanik haben G. T. Lin 1989, 1990; P. R. Manske et al. 1977, 1986; R. Savage 1990; E. L. Hume 1991; J.B. Tang 1995; S. Mester et al. 1995 und einige andere das Verhalten der Beugesehnenscheide und insbesondere des A2 Pulleys bei Belastung untersucht. 
Bisher sind jedoch noch keine in vivo Messungen über die Biomechanik des A2 Pulleys bezüglich Belastungen während der Fingerflexion durchgeführt worden. Das klinisch - funktionell gut beobachtbare Bowstringing im Bereich der Beugesehnenscheide wird in dieser Arbeit als Ausgangspunkt für solche in vivo Messungen verwendet. Das gut zu palpierende Abheben der Flexorsehnen im Bereich der Beugesehnenscheide bei der statischen Flexion der Finger gegen Widerstand wird als zu messende Grösse definiert. Es werden sowohl die Ausdehnungen als auch die auftretenden Kräfte des Bowstringings gemessen. Ein Teil der Arbeit bestand darin eigens zwei Messgeräte zu entwickeln und zu konstruieren, mit welchen Distanzen und Kräfte im Bereich der Beugesehnenscheide in vivo gemessen werden können. Verschiedene Aspekte des Bowstringings werden damit evaluiert und interpretiert. Es wird schlussendlich versucht die Ergebnisse auf die erwähnte Problematik im Klettersport zu übertragen und die Bedeutung des Taping zu beurteilen.

 
 

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